Freitag, 19. März 2010

Frühling!

Innerhalb von einem Tag erwacht Berlin aus seinem Winterschlaf. Gestern blies der Wind noch kalt um die Ohren, man konnte nicht ohne Schal aus dem Haus, überall sah man nur in grieskrämige Gesichter und an Eis war sowieso noch nicht zu denken.
Am nächsten Morgen fahren alle plötzlich Fahrrad, strahlen mit der Sonne um die Wette, die Vögel zwitschern sich die Kehle aus dem Hals und man kann allen ernstes endlich seine dicke Winterjacke zu Hause hängen lassen, die Mütze und die Handschuhe ins hinterste Eck der Schublade stecken und stattdessen die Sonnenbrille rausholen.
Ein Zeitpunkt, zu dem ich normalerweise immer Lust auf einen Schorle in der Sonne auf der Wachtenburg bekomme. Mit der großen Entfernung zwischen mir und der Wachtenburg ändert sich alles und ich bekomme stattdessen wahnsinnige Lust auf ein Bier in der Sonne an der Spree.
Arbeit geht aber vor, und nach Feierabend Wäsche waschen auch, also schlüpfe ich zum ersten Mal in diesem Jahr in meine sonnigen Ballerinas und maschiere los zum Waschsalon. Auf dem Weg, auf dem ich normalerweise bisher nur alten, grieskrämigen Männern mit ihren ebenso alten und grieskrämigen Hunden begegnet bin, kommen mir heute jede Menge Jogger und Walker entgegen, gutgelaunte Familien mit Kleinkindern, Menschen stehen auf der Straße und unterhalten sich, auf den Balkonen sitzen Menschen, Fenster und Balkontüren stehen sperrangelweit offen, der Supermarkt hat seinen gesamten Blumenbestand auf die Straße geräumt (da muss ich mir natürlich was mitnehmen, damit mein Balkon auch ein bisschen was von den ganzen Frühlingsgefühlen abbekommt) und im Waschsalon stehen die Türen weit offen (es riecht mal nicht nach Waschpulver, sondern nach frischer Luft!).
Zuhause darf meine Wäsche an der frischen Luft trocknen, ich lasse die milde Luft durch mein Zimmer ziehen und trinke dabei mein wohlverdientes Bier. Nicht in der Sonne, nicht an der Spree, dafür auf meinem gemütlichen Sofa im Kerzenschein.

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