Montag: Heute wartet das beste Frühstück New Yorks auf uns. Im Pershing Square Café gegenüber des Grand Central bekommen wir Pancakes mit und ohne Blueberries, Maple Syrup, Butter und Marmelade, frisch gepressten und gefilterten Orangensaft (dabei macht doch gerade das Fruchtfleisch den selbstgepressten Saft aus: ein Punkt Abzug), eine Kaffeetasse ohne Boden. Dafür kann man auch mal ein bisschen mehr ausgeben. Kugelrund steuern wir danach das Museum of Modern Art an. Es ist noch vor 10 Uhr und wir beschließen unseren Frühstückskalorien mit einem Fußmarsch den Kampf anzusagen. Statt im MoMA landen wir bei Victoria's Secret. Statt uns berühmte Gemälde anzuschauen, sammle ich in meiner großen schwarzen Einkaufstasche 18 Höschen, 7 BH's (Victoria's Secrets Versprechen: hier geht keine mit der falschen Größe raus. Deshalb lasse ich mich vorher auch fachkundig vermessen und weiß jetzt meine amerikanische BH-Größe), 3 Shirts. Am Ende in der pinken Einkaufstasche (zum mitnehmen) landet wesentlich weniger, aber zu einem Preis von dem man in Deutschland nur träumen kann.
Schließlich kommen wir doch noch am MoMA an und machen mit unseren pinken Einkaufstüten die Räume unsicher. Jedes Stockwerk eine halbe Stunde. Ich bin begeistert das man ein Museum mit aller Ruhe so schnell und ohne Langeweile ansehen kann. Nur die Tim Burton Sonderausstellung ist voll gestopft mit Menschen. Und das, wo man doch die Videos alle auch auf youtube ansehen kann. Das verrät uns einer der Guides, die für Ordnung sorgen sollen. Nach drei Stunden Museumstour gönnen wir uns einen Hot Dog am Straßenrand. Der nette Verkäufer bescheisst uns zwar um 50 Cent, aber bei 2$ wollen wir mal nicht so sein. Dafür schmeckt es ja auch.
Als nächstes auf dem Plan: Macy's. Aus unerfindlichen Gründen landen wir jedoch in der falschen Subway und in der Lexington Avenue. Als wir wieder hoch ans Tageslicht kommen, um uns zu orientieren, sehen wir, dass wir hier aber auch nicht falsch sind. Vor uns liegt Bloomingdale's, ein großer Levi's Store, GAP und Abercrombie & Fitch. Letzterer ist ein einziger Partytempel. Im Eingang begrüßen uns hübsche Kerle und knappbegleitete Hungerhaken, welche sich auch im Rest des Ladens (oder war es doch eine Disko mit Verkaufsraum???) auf allen Stockwerken verteilen und kräftig abdancen. Meine in Toronto entdeckte Verkaufsstrategie, bestätigt sich auch hier in NYC: Lecker männliche Verkäufer schmeißen sich an die weiblichen Käuferinnen ran und umgekehrt. Nur einer steht an der Treppe und sieht ganz schön müde aus. Außer ein „Hi“ bringt er nicht über seine Lippen, ganz im Gegensatz zu seinem Kollegen eine Treppe höher, dem vor lauter Hüfte mehr oder weniger im Takt wackeln schon fast die Hose in den Kniekehlen hängt, sein Shirt eigentlich schon fast ausgezogen ist und der sich seiner Ähnlichkeit mit einem der Schauspieler aus der Twilight-Saga durchaus bewusst ist.
Dienstag: Nach einem Frühstück mit Donuts und Hostelkaffee und einem netten Gespräch mit der karibischen Aufpasserin des Hostels, die uns ein paar gute Einkaufsttipps gibt (Macy's hat jeden Morgen einen „Morning Sale“), machen wir uns los zum Flatiron Building (das erste moderne Hochhaus New Yorks). Als wir da so standen, ist uns wieder einmal das Empire State Building ins Auge gefallen. Statt, wie geplant zu Macy's zu gehen, ändern wir kurzfristig unseren Plan und laufen Richtung ESB. Nach ein paar Blocks ist es plötzlich verschwunden. Mit großem Vergnügen stellen wir fest, dass wir direkt vorne dran stehen und auch schon am vorigen Tag, ohne es zu wissen, daran vorbei gelaufen sind. Wir gehen weiter und bleiben wieder nicht bei Macy's, sondern bei American Eagle hängen. Der kleine Bruder von Lorenzo (oder Lorielle London) begrüßt uns und erklärt uns alle Angebote heute. In der Damenabteilung komme ich in den Genuss eines Personal Shoppers: Eine Verkäuferin läuft mir wie ein Schosshündchen hinter her, sucht mir alle Größen heraus, trägt meine ausgesuchten Teile und bringt mir zu guter letzt ständig neue Teile in die Umkleidekabine (die- was für eine Überaschung- tatsächlich auch meinem Geschmack entsprechen). Mit allen Rabatten wird aus einem Einkauf, der unter normalen Umständen etwas über 100 Dollar gekostet hätte, wird ein Einkauf etwas unter 50 Dollar (und neue Unterwäsche, neues Hemd, neuer Pulli und neue T-Shirts für meinen Kleiderschrank).
Tatsächlich stehen wir etwas später doch noch in Macy's. Aber statt geflasht zu werden vom angeblich größten Kaufhaus der Welt, sind wir ein bisschen enttäuscht. Abgesehen von der unteren Etage und davon das überall Markenklamotten hängen, sieht es eher nach Takko aus, als sagenumwobenes tolles New Yorker Kaufhaus. Die Verkäuferinnen sind nicht sehr freundlich, es ist schmutzig und es herrscht eine seltsame Atmosphäre. Einzig und aleine die alten, hölzernen und klapprigen Rolltreppen aus dem vorigen Jahrhundert begeisten mich. Ratter-Ratter-Klipp-Klapp.
Weiter geht unser Einkaufsbummel: women's footlocker, billabong, duane reade (dwäin ried, endlich haben wir eine Bierquelle gefunden – im Drogeriemarkt!!!). Zum Mittagessen gibt es feinste Wendy's Burger (außer Fleisch und Speck gibt es nur eine Scheibe Käse auf meinem -Achtung!- Baconator :) ). Danach führt unsere Shoppingtour uns weiter zum Times Square und weiteren Superschnäppchen: im Quicksilver Store gibt es Pullis für quasi lau und ein paar Brocken Deutsch des Verkäufers. Levi's, nochmal American Eagle. Im M&M Store werden meine geliebten und leider sehr ausgelatschten Sexshop-Boxerstiefel beerdigt und meine neuen grünkarierten adidas sneaker getauft. Meine Füße danken es mir mit keinen weiteren Blasen.
In einem Souvenirshop, in dem der Kassierer (der aussieht wie aus einem 50er Jahre Film) mindestens so alt ist wie seine Kasse, auf der er mit voller Wucht die Zahlen einhämmert und die beim öffnen noch laut „katsching“ macht, kommt zu meiner neuen Kleiderschrankausstattung ein „I Herz NY“ Pulli dazu.
Bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Oreokuchen (das wir selbst zu zweit nicht schaffen), trifft es Barbara auf den Punkt: SHOPPEN MACHT GLÜCKLICH. (Vorallem bei sovielen Schnäppchen).
Als Belohnung nach einem so tollen Tag, gönnen wir uns einen Ausflug auf das Empire State Building. In der landen Warteschlange vor dem Sicherheitscheck werden wir von den Sicherheitsleuten belächelt und uns wir nahe gelegt, doch einen persönlichen Taschenträger zu beschäftigen, der uns unsere schwere Last abnimmt. Nach knapp einer Stunde kommen wir endlich in die Nähe des Aufzugs, wo uns ein netter junger Mann als Testpersonen für den neuen Empire State ipod auswählt, ein Audioguide mit Tony, dem Taxifahrer (man beachte, dass unser erster Taxifahrer tatsächlich Tony hieß) der Geschichten über New York, seine Hochhäuser und Viertel erzählt. Oben ist es schweinekalt und windig. Trotzdem haben wir einen schönen Abend erwischt, denn statt Wolken sieht man nur einen rabenschwarzen Himmel mit ein paar kleinen funkelnden Sternen.
Mittwoch: Genug geshoppt sagen wir uns und nehmen uns vor heute einfach nur Sights zu sehen. Angefangen wir in der Wall Street, wo wir rein zufällig auch gleich noch vor Tiffany's stehen und mit dem Rücken zum Trumptower. Vorbei am Stock Exchange, bemerken wir hier zum ersten Mal wie schick alle rumläufen: die Männer in Anzügen, die Frauem im Kostümchen und alle mit glänzenden Schuhe, in denen man sich spiegeln kann. Wie wir mittlerweile aber schon rausgefunden haben, putzt sich hier niemand selbst die Schuhe, dafür gibt es Spezialisten, die (wie in alten Zeiten) Schuhe putzen, während man selbst Zeitung lesen oder den neuesten Tratsch austauschen kann. Fast wie beim Friseur. Und die Schuhputzer haben vor allem zu Lunchzeiten Hochkonjunktur. Weiter geht’s auf der Suche nach dem Bowling Green Bull (der gar nicht in der Wall Street steht, sondern auf dem Broadway und vor eine kleiner Grünfläche, dem Bowling Green, steht). Eine Horde Japaner steht davor und macht Fotos, Fotos, Fotos. Als wir endlich drankommen, hör ich eine Stimme hinter mir „Befor you take your picture, wait a second, there's something I always wanted to do“, genervt dreh ich mich um und mache mich schon mal seelisch moralisch darauf gefasst, dass mir schon wieder jemand was andrehen möchte. Vor mir steht ein großer schwarzer Mann, der sich über den Stier beugt, seine Hörner anfasst uns ruft „I always wanted to grab the bull by his horns..arrrrrrggghhhhh“. Da hat aber jemand mächtig Danpf abgelassen. Danach schlendert er weiter als ob ncihts gewesen sein. Lustig, diese New Yorker.
Unser nächster Stop ist die Cristopher Street im Greenwick Village und das „Friends“ Haus. Wir sind überrascht, wie vielseitig New York sein kann, denn statt großen Hochhäusern gibt es hier jede Menge kleine Häusschen, Hinterhofgärten und Fahrräder.
Vom gemütlichen Greenwich geht’s weiter zum Ground Zero, der zu unserer Überraschung immer noch eine einzige riesengroße Baustelle ist. Vom Empire State Building aus hatte man ein großes, klaffendes Loch gesehen, wo einst das Worldt Trade Center stand, was viel imposanter war, als vor tausenden von Kränen zu stehen und einem Hochhaus, das erst aus maximal 20 Ebenen bestand (und die bauen schon ein paar Jahre- laut Tony, dem Taxifahrer brauchte man für das ESB lediglich etwas länger als ein Jahr). Nachdem wir einmal drum herum gelaufen sind, bekommen wir Hunger und fahren Richtung Chinatown. Im „NY Noodletown“, in dem fast nur Asiaten sitzen (angeblich gutes Zeichen für gutes Essen), bekommen wir einen Platz an einem großen runden Tisch zugewiesen, an dem uns später noch drei ältere Asiatinnen Gesellschaft leisten. Wir bekommen Chopsticks und ein Glas Tee und statt von der leckeren Pekingente im Schaufenster, bestellen wir uns Huhn und Rind mit Gemüse, dass wir noch nie in unserem Leben gesehen, gescheige denn gegessen haben. Schmeckt aber ganz gut. Sogar mit Gabel.
Auf dem Weg zum Grand Central gibt es aufeinmal Komplikationen. Wegen polizeilichen Ermittlungen fährt die grüne Linie gerade nicht weiter. In allen Subway Stationen wimmelt es von Polizisten. Ein bisschen Angst breitet sich aus, aber statt in Panik zu verfallen, ärgern sich die New Yorker nur über die Verspätung. Was genau dahinter steckt, erfahren wir erst am nächsten Tag aus der Zeitung. Wir gönnen uns einen Kaffee und einen Cupcake in der Magnolia Bakery am Rockefeller Center und suchen danach verzweifelt nach einem Mülleimer für unseren Pappbecher. Tatsächlich ist es hier so sauber, dass wir die bEcher nicht einfach so irgendwo abstellen wollen und ein bisschen haben wir sogar Schiss, verhaftet zu werden wenn wir irgendwo etwas abstellen und liegen lassen. Nach fast einer halben Stunde werden wir endlich fündig. Noch nie hab ich mich so gefreut einen Mülleimer zu sehen. Wir lachen uns kaputt über unsere Suche und bekommen Magenkämpfe von den überaus kalorienreichen Cupcakebomben, die wir vorher verzehrt haben. Und ich Volltrottel, habe mir noch einen zum Nachtisch für Abends gekauft. Aber die rote Farbe hat mich so fasziniert, das ich ihn einfach kaufen musste.
Bei Einbruch der Dämmerung gönnen wir uns mal wieder eine schöne Aussicht. Nach der herben Enttäuschung, dass das Waldorf Astoria von aussen überhaupt nicht glamourös aussieht, und ganz dringend eine Fassadenreinigung bräuchte, wir uns mit einem Smoothie (am bisher kältesten Tag) unsere Mägen und Gehirnwindungen einfrieren, fahren wir mit der Staten Island Ferry gen Sonnenuntergang.
Donnerstag: Der letzte Tag. Wir packen unsere Koffer, ziehen unsere Betten ab und stellen unsere Habseligkeiten in den Hostelaufenthaltsraum, bevor wir uns auf den Weg zu Henry's Diner und Bakery zum Frühstück machen. Aus der Zeitung erfahren wir, was gestern den Verkehr lahmgelegt hat: eine Bombendrohung im Grand Central Terminal. Eigentlich war es wohl nur eine herrenlose Tasche, die sich als harmlos entpuppte. Mit einem Butterbagel und einem Egg'n'Bacon Burger gestärkt fahren wir zum Central Park, vorbei am Guggenheim und am Met Museum. Wir haben das schönste Wetter für einen Parkspaziergang und verbringen Stunden mit schlendern ohne das wir merken das wir mehrere Stunden im Park verbringen.
Das schöne alte Karussel mit Walzermusik, lockt die kleinen Mädchen in uns hervor und schon sitzen wir auf zwei Holzpferden und freuen uns königlich über das auf und ab. Ein Eichhörnchen kommt uns gefährlich Nahe, als wir mal wieder auf einer Holzbank sitzen. Offensichtlich kann das kleine Ding nicht lesen, überall im Park stehen Schilder „Keep away from wildlife“. Aber wie können wir uns von dem posierlichen Tierchen fernhalten, wenn es sich direkt neben uns setzt? Bevor wir unsere Koffer abholen und uns auf den Weg zum Flughafen machen, leeren wir unsere Kleingeldansammlung bei einem alten Saxophonisten ab, der am kleinen Pond spielt und uns die letzte halbe Stunde mit seiner Musik versüßte. Der pefekte Abschluss unseres New York Trips: Fern von aller Hektik, mit wunderschönem Sonnenwetter im Central Park.
Schön geschrieben :) Habe beim Lesen nochmal 5 1/2 Tage New York durchlebt und muss feststellen, dass ich es ein bisschen vermisse. Es war einfach super!
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