Montag, 5. Oktober 2009

Angekommen

Ich bin hier. Angekommen in meiner Zukunft. Hoffe ich jedenfalls. Der Abschied war genauso wie ich es mir vorgestellt habe: Abschiedsworte müssen kurz sein wie eine Liebeserklärung. (Fontane). Und Euphemia von Adlersfeld hat auch recht: Ein Abschied verleitet immer dazu, etwas zu sagen, was man sonst nicht ausgesprochen hätte. Und es verleitet auch immer dazu Dinge zutun, die man sonst wohl nie getan hätte.
Nachdem mein Flug schon dreimal ausgerufen wurde, ich meinen schönen kurzen Abschied aber bis zum letzten auskosten musste, sprinte ich durch die Passkontrolle zu meinem Gate und -schwupps- sitze ich auch schon auf meinem Fensterplatz hinter dem Flügel. So eine kurze Wartezeit hatte ich noch nie. Ich merke eine kleine Hand in meinem Haaren. Mein neuer Freund für die nächsten acht Stunden heißt Jack ist vier Jahre alt und singt ab jetzt immer wieder „Carla, Carla, Carla is so beautiful and her hair is so pretty“ und dazwischen werde ich abgeknutscht. Das nenne ich einen guten Start. Vor mir sitzen drei saufwütige Canadier, die sich prächtig über mich und Jack amüsieren.
Acht Stunden und 45 Minuten, eine Chicken Mahlzeit und einem Pizza Snack, etlichen Seven Ups, 328 Seiten von „The Time Traveller's Wife“, unzähligen Küssen von Jack später steht ich als Canadierin vor einem Zollbeamten, der mich zu Hause willkommen heißt und mich durchwinkt. Irgendjemand scheint es sehr gut mit mir zu meinen, denn zum ersten Mal muss ich nicht auf meinem Koffer warten. Schon von weitem sehe ich meinen großen hellblauen Trolly über das Band rollen, ich hiefe die 28 Kilo (28,9 kg um genau zu sein) vom Band und mach mich auf den Weg nach draussen.
Zwei Stunden später sitze ich mit einem Gläschen Rosé und leckerem carrotcake vor dem Fernseher und schaue mir die neue Folge Desperate Housewives an. Das Haus riecht noch genauso wie vor acht Jahren, das Wasserrauschen vom See weckt Erinnerungen und Mindy, die Katze, scheint mir sagen zu wollen das sie mich kennt, aber nicht genau weiß woher.

Nach einer angenehmen Nachtruhe wache ich um halb vier Uhr morgens auf. Halb 10 in Deutschland. Ich fange an zu lesen und döse abundan einwenig, bis es Zeit ist aufzustehen. Wenn es stimmt, dass das was man in der ersten Nacht in einem neuen Bett träumt in Erfüllung geht, bin ich sehr gespannt auf das was kommt. Denn das wäre nicht im entferntesten etwas womit ich rechnen würde. Trotzdem ein sehr realer und wahnsinnig schöner Traum.
Nach einer Dusche, Cheerios und Kaffee und dem schönsten Ausblick der Welt mach ich mich ans auspacken und einrichten. Mein Zimmer sieht noch fast genauso aus wie vor acht Jahren, als ich das letzte Mal hier wohnte. Mit Schrecken muss ich feststellen das mein Kleiderschrank tatsächlich um einiges geschrumpft ist und es doch viel weniger ist als ich eigentlich dachte und das wo ich jetzt doch einen begehbaren Kleiderschrank habe. Gut das Klamotten hier günstig sind und ich gerne einkaufen gehe. Nichtsdestotrotz erinnert mich das an meinem Traum und das er vielleicht tatsächlich eintreten könnte. Wir werden ja sehen. Ich lass mich überraschen.
Leider ist das Internet hier seeeeeehr langsam, jetzt merke ich erst wie weit vom Schuß ich die nächste Zeit leben werde und bin einerseits froh meine Online-Sucht notgedrungen eindämmen zu können, andererseits unglaublich nervös nicht ständig online sein zu können. (Entzugserscheinungen jetzt schon?).
Und jetzt noch ein kleiner Aufruf: Wer eine Postkarte möchte, bitte Adresse mailen! Ich liebe Postkartenschreiben und solange ich noch die Muse dazu habe und mich wie im Urlaub fühle mach ich es auch. Versprochen. :-)

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